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ISS und Sternschnuppen fotografieren: die Anleitung fürs erste Foto

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TYPISCHE BAHN
FESTE AUFLAGE IST PFLICHTOhne Stativ oder Mauer wird aus der Leuchtspur ein Wackler.
10 BIS 30 SEKUNDENSo lange muss der Verschluss offen bleiben, damit überhaupt eine Spur entsteht.
BLITZ AUSEr reicht 400 Kilometer nicht weit und blendet alle Umstehenden.

Beides lässt sich fotografieren, und beides braucht weniger Ausrüstung als vermutet. Ein Handy mit langer Belichtung genügt für den Anfang. Wichtiger als die Kamera ist eine feste Auflage. Was du dagegen nicht erwarten solltest: ein Bild der Raumstation mit Solarflügeln. Dazu unten mehr — es ist die häufigste Enttäuschung.

Was realistisch drin ist

Die ISS wird auf deinem Foto ein Lichtstrich. Sie ist rund 400 Kilometer entfernt und bewegt sich schnell. Mit normalen Objektiven bleibt sie ein Punkt, der während der Belichtung eine Linie zieht. Genau das ist das gute Bild: eine gerade, helle Spur über der Landschaft. Wer die Station als Objekt mit Modulen abbilden will, braucht ein Teleskop mit Nachführung und viel Übung. Das ist ein eigenes Hobby, nicht der Einstieg.

Sternschnuppen funktionieren anders. Sie sind nicht planbar. Man fotografiert nicht eine Sternschnuppe, sondern einen Himmelsausschnitt über längere Zeit und hofft, dass eine hineinfliegt. Aus fünfzig Aufnahmen ist eine dabei — mit Glück drei. Das klingt mühsam, läuft aber nebenbei: Die Kamera arbeitet, du liegst daneben und schaust selbst. Am meisten lohnt sich das in einer aktiven Sternschnuppen-Nacht, etwa bei den Perseiden im August.

Der Aufbau, der beides trägt

Feste Auflage. Ein Stativ ist ideal, eine Mauer, ein Autodach oder ein Rucksack reichen auch. Zehn Sekunden Belichtung aus der Hand gibt es nicht.

Weitwinkel. Nimm die kürzeste Brennweite, die du hast. Sie fängt viel Himmel ein, und das erhöht die Trefferchance bei Sternschnuppen erheblich.

Manueller Fokus auf unendlich. Der Autofokus findet im Dunkeln nichts. Zoom in der Live-Ansicht auf einen hellen Stern und stell scharf, bis er kleinstmöglich ist. Danach den Fokus nicht mehr anfassen.

Selbstauslöser oder Fernauslöser, damit das Drücken das Bild nicht verwackelt.

Startwerte für die Kamera

Diese Werte sind ein Ausgangspunkt, kein Gesetz — prüf das erste Bild und korrigiere.

Blende so weit offen wie möglich, meist f/2.8 oder f/4. ISO zwischen 800 und 3200: bei Stadtlicht niedriger, unter dunklem Himmel höher. Belichtungszeit 15 bis 20 Sekunden. Diese Langzeitbelichtung ist der ganze Trick — sie sammelt das Licht, das dein Auge in einem Moment nicht halten kann. Länger geht bei Weitwinkel oft auch, aber dann werden aus Sternen kleine Striche, denn die Erde dreht sich weiter. Als Faustregel teilt man 500 durch die Brennweite: bei 20 Millimetern also rund 25 Sekunden, bei 50 Millimetern nur noch 10.

Für Sternschnuppen läuft die Kamera in Serie. Ein Intervallauslöser oder eine Serienbild-Automatik nimmt Bild nach Bild auf, ohne Pause. Später sucht man die Ausbeute am Rechner. Für die ISS genügt eine einzige Aufnahme — du weißt ja, wann sie kommt.

Startwerte fürs Handy

Modernere Handys können mehr, als viele denken. Zwei Wege führen zum Ziel.

Der Nachtmodus belichtet automatisch mehrere Sekunden und rechnet die Bilder zusammen. Für Landschaft mit Sternenhimmel gut, für Leuchtspuren meist zu kurz — probier ihn trotzdem, er kostet nichts.

Besser ist der Profi- oder Expertenmodus, sofern vorhanden. Dort lässt sich die Belichtungszeit von Hand einstellen: 10 bis 30 Sekunden, ISO um 800 bis 1600, Fokus manuell auf unendlich. Manche Geräte haben zusätzlich einen Astro- oder Lichtspur-Modus, der genau das automatisiert. Wichtig bleibt in jedem Fall die feste Auflage.

Und weil die Frage oft kommt: Für die Sonnenfinsternis gelten andere Regeln. Dort hält man eine Finsternisbrille vor die Handylinse, und durch Kamera oder Fernglas darf man ohne echten Sonnenfilter nicht schauen. Die Einzelheiten stehen im Finsternis-Artikel.

Der Bildaufbau macht den Unterschied

Ein Lichtstrich auf schwarzem Grund ist ein Beweis, kein Bild. Was ein Foto sehenswert macht, steht am unteren Rand: eine Baumreihe, ein Kirchturm, ein Zaun, ein See, eine Silhouette von Hügeln. Der Vordergrund gibt dem Himmel Maßstab und erzählt, wo du gestanden hast.

Für die ISS lohnt sich Planung. Der Live-Tracker zeigt dir vorab die Bahn über deinem Standort, also Richtung und Höhe des Überflugs. Danach richtest du den Bildausschnitt aus, bevor es losgeht — hektisches Schwenken kostet die Spur. Bei Sternschnuppen richtest du auf den dunkelsten Himmelsteil, gern hoch hinauf und großzügig neben dem Ursprungspunkt der Spuren; warum, steht in der Grundlagen-Anleitung. Was sonst in eine solche Nacht gehört, listet die Checkliste.

Die Fehler, die das erste Foto kosten

Der Blitz. Er erhellt drei Meter Wiese und blendet alle Umstehenden. Aus.

Bildstabilisator an, Kamera auf dem Stativ. Manche Systeme suchen dann Bewegung, die es nicht gibt, und erzeugen Unschärfe. Auf dem Stativ ausschalten.

Das Display. Jede Bildkontrolle bei voller Helligkeit kostet dich die Dunkel-Anpassung der Augen. Display dunkel stellen, Kontrolle sparsam.

Kälte und Feuchtigkeit. Akkus verlieren nachts schnell an Leistung — Reserve einstecken und warm tragen. Und wenn die Linse beschlägt, hilft nur Abwischen und Abwarten; ein Tuch gehört in die Tasche.

JPEG statt Rohdaten. Wer die Möglichkeit hat, fotografiert im Rohformat. Nachtaufnahmen gewinnen bei der Nachbearbeitung deutlich mehr, als man ihnen ansieht.

Zu wenige Versuche. Das erste Bild ist selten das gute. Bleib eine Stunde, verändere eine Einstellung pro Runde, und schau zwischendurch selbst nach oben — deswegen bist du ja draußen.


Wann die ISS das nächste Mal über deiner Stadt zu sehen ist: Städte-Übersicht · Live-Tracker

★ TIPP

Nutze den Orbspot Live-Tracker, um zu sehen, wann die ISS an deinem Standort sichtbar ist und aus welcher Richtung sie kommt.

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